Präventivmedizin

1. Allgemeine Definition

In der Präventivmedizin werden gezielte Maßnahmen eingesetzt um die Krankheitslast in der Bevölkerung zu minimieren. Prävention steht somit für alle Aktivitäten zur Vermeidung oder Verzögerung von Erkrankungen.

Hinsichtlich des Zeitpunktes eines Präventionsansatzes wird unterschieden zwischen Primärprävention (Risikoschutz vor Krankheitsbeginn), Sekundärprävention (im Frühstadium einer Erkrankung; zum Beispiel durch Früherkennungsmaßnahmen) und Tertiärprävention (bei einer Krankheitsmanifestation, Maßnahmen um Krankheitsrückfälle und Folgeschäden zu vermeiden).

Die am häufigsten gestellten Fragen im Anti-Aging und Vorsorge Bereich sind:

  • Wie bleibe ich möglichst lange gesund und beschwerdefrei?
  • Wie kann ich ein junges, vitales Aussehen und Auftreten auch im Alter beibehalten?
  • Wie erhalte ich meine Leistungsfähigkeit?

Die Antwort auf all diese Fragen unserer heutigen Gesellschaft ist eindeutig in der Primärprävention zu finden und führt zu folgenden wichtigen Ansätzen:

  • Gesunde Ernährung
  • Versorgung mit allen wichtigen Mikronährstoffen
  • Reduktion der Schadstoffaufnahme
  • Körperliche Aktivität
  • Ruhe- und Regenerationsphasen
  • Stressmanagement

Um den Bogen von der Präventiv- zur Orthomolekularmedizin zu spannen, soll es in der folgenden Aufstellung besonders um die sinnvolle Versorgung mit Mikronährstoffen gehen.
Die Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II zeigen die unzureichende Zufuhr von einigen lebenswichtigen Mikronährstoffen in der deutschen Bevölkerung auf. Offensichtlich klafft eine Lücke zwischen der empfohlenen ausgewogenen Ernährung in der Theorie und dem tatsächlichen Ernährungsverhalten eines deutschen Erwachsenen.
Mit der gezielten individuellen oder auch labordiagnostisch unterstützten Substitution von Mikronährstoffen, vermag die orthomolekulare Medizin diese Lücke zu schließen.
Mikronährstoffe stehen im Zentrum aller wichtiger Stoffwechselwege unseres Körpers. Bereits ein subtiler Mangel kann zu einem Verlust von Enzymleistungen führen. Als Folge treten Symptome wie eine erhöhte Infektanfälligkeit oder eine verminderte Leistungsfähigkeit auf. Auch die Entwicklung von chronischen, degenerativen oder auch metabolischen Erkrankungen ist in einem späteren Stadium möglich.

 

2. Wichtige Mikronährstoffe in der Präventivmedizin

Vitamin D

Eine niedrige Vitamin D Konzentration ist mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verbunden. Dieser Zusammenhang konnte in einigen Studien herausgearbeitet werden. Auch in der Prävention von Osteoporose, Diabetes Mellitus Typ II, Infekten der oberen Atemwege und vor allem während der Schwangerschaft kann Vitamin D zum Einsatz kommen.
Für eine sinnvolle Präventivtherapie sollte zunächst der Blutwert 25-Hydroxy-Cholecalciferol bestimmt werden, ein gesunder Spiegel liegt zwischen 100-180 nmol/l.
Zur allgemeinen Prävention wäre eine Dosierung von 400-1000 I.E. Vitamin D täglich denkbar.

Folsäure und B-Vitamine

Homocystein ist eine nicht-proteinogene Aminosäure und ein Zwischenprodukt unseres Stoffwechsels. Die Konzentration im Blut sollte physiologischerweise niedrig gehalten werden. Bereits leicht erhöhte Plasmakonzentrationen von Homocystein stehen laut zahlreichen Studien für ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre und cerebo-vaskuläre Erkrankungen. Eine Hyperhomocysteinämie ist außerdem ein Risikofaktor für Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie und Geburtsdefekte.
Für eine reproduzierbare Bestimmung, sollte der Plasmaprotein- Wert im Nüchternblut bestimmt werden. Sollte der Wert > 10 µmol/l sein empfiehlt sich eine Substitution mit Folsäure (0,4-0,8 mg/d) und B-Vitaminen.

Coenzym Q10

Im Alter sinkt der Coenzym Q10 Gehalt im Blut und den Organen deutlich ab. Da das Coenzym eine zentrale Funktion bei der mitochondrialen Energiegewinnung einnimmt, kann ein Mangel die Leistungsfähigkeit des gesamten Organismus einschränken.
Deshalb empfiehlt sich im Alter eine tägliche Substitution von ungefähr 30 mg Coenzym Q10 in Form von Ubiquinon oder auch Ubiquinol.
Der Blutserumwert sollte im Bereich von 0,85-1,2 µg/ml liegen.

Magnesium

In den westlichen Industrienationen ist eine suboptimale Versorgung mit Magnesium weit verbreitet. Durch unsere stressbedingte Lebensweise steigt der tägliche Bedarf an Magnesium, wohingegen unsere Ernährung oft keine ausreichende Versorgung des Minerals bietet.
Magnesium kann präventiv mit 100-300 mg täglich dosiert werden. Eine optimale Versorgung mindert das Risiko für Erkrankungen wie KHK, Hypertonie, Diabetes Mellitus Typ II, Migräne und Adipositas.

Antioxidantien/Polyphenole

Antioxidantien dürfen in der Präventiv- und Antiaging- Medizin nicht fehlen. Polyphenole können zum einen den Gehalt an intrazellulären Glutathion erhöhen, zum anderen senken sie auch direkt die Belastung mit freien Radikalen.
Zu finden sind die Super-Radikalfänger in Holunder-und Heidelbeeren, sowie Trauben, Granatäpfeln, Kakao und Tee.
Fehlen derartige Zutaten in der täglichen Nahrung empfiehlt sich die Einnahme von sinnvoll dosierten und zusammengestellten Polyphenol-Rezepturen.

Omega 3 Fettsäuren

Die maritimen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaeinsäure (DHA) werden vor allem in der Prävention der Koronaren Herzerkrankungen und bei Schwangeren eingesetzt.
So wurde beispielsweise die Gabe von Omega-3-Fettsäuren in die Leitlinien der American Heart Association zur Vorbeugung von kardiovaskulären Erkrankungen aufgenommen.
Ebenso konnte gezeigt werden, dass eine omega-3-reiche Ernährung in der Schwangerschaft die geistige Entwicklung des Kindes fördert.
Hinweis auf eine mangelnde Versorgung gibt zum Beispiel der Omega 6/ Omega 3 Quotient im Serum.

Eine optimale Versorgung mit allen wichtigen Mikronährstoffen ist neben einer gesunden Ernährung, einem guten Stressmanagement und ausreichender Bewegung somit ein wichtiger Baustein der Präventiv Medizin.


Das sensible Zusammenspiel der einzelnen Vitalstoffe im Körper sollte nicht durch Mangelzustände gestört werden. Kommt es zu ersten Symptomen oder Krankheitserscheinungen wird es oft sehr schwierig, den Tropfen zu ermitteln, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.